Görlitz-Tourist
Hallenhaus innen

Hallenhäuser

Die Hallenhäuser in Görlitz

Turmartige Zentralhalle, prächtige Gewölbedecken, verwinkelte Treppen, die nach oben führen - Görlitzer Hallenhäuser versetzen Besucher ins Staunen. Die Bauten aus der Zeit der Spätgotik und Frührenaissance gleichen Palästen, in denen sich Patrizier, Großkaufleute und Fernhändler eine faszinierende Lebens- und Geschäftskultur schufen. Johann Wolfgang von Goethe bezeichnete die architektonischen Meisterwerke sogar als "Kaufmannsburgen".

Etwa 35 Hallenhäuser sind in Görlitz bis heute erhalten. Der besondere Haustyp hat sich dort durch das Zusammenspiel wirtschaftlicher und politischer Entwicklungen im 15. und 16. Jahrhundert herausgebildet. Speziell um das Jahr 1500 erlebte die Stadt einen Aufschwung, den vor allem Transithandel und Tuchexport brachten. Durch die Lage an der Handelsstraße via regia, die Ost- und Westeuropa verband, profitierte die Stadt vom europäischen Wissens- und Kulturtransfer.

Die Idee der Hallenhäuser könnten Durchreisende als Anregung mitgenommen haben, denn in ihrer Grundkonstruktion breiteten sie sich Richtung Osten und bis nach Tirol aus. In der zweiten Hälfte des 16. und 17. Jahrhunderts entstanden ähnliche Kaufmannshäuser an Marktplätzen wichtiger Städte entlang der via regia, meist aus überdachten Innenhöfen.

Die repräsentativen Hallenhäuser besitzen Elemente aus der Gotik, der Renaissance und des Barocks. In Görlitz entstanden sie zwischen 1480 und 1560. Sie waren vieles in einem: Wohnhaus, Kontor, Lager, Brauhof. Manche hatten sogar eine eigene Kapelle. Tief in den Fels gehauene Keller reichten bis zu drei Etagen unter die Erde.

Die bürgerlichen Wohnanlagen entfalten sich nicht in ihrer äußeren Wirkung, sondern erst im Innenraum. Von außen ist ihre ungeheure Tiefe nicht sichtbar, etwa mit 38 Metern in dem Haus, das sich der Großkaufmann Hans Frenzel am Untermarkt errichten ließ.

Weitere Hallenhäuser in Görlitz sind am Obermarkt, in der Brüderstraße, der Neißstraße oder in der Petersstraße zu finden. Die prunkvollen Stadtpaläste entstanden auf privilegierten Grundstücken, oft am Markt und waren fast immer mit dem Tuchhandel verbunden. Die Zentralhallen mit ihrer lichten Höhe boten Raum, um Waren wirkungsvoll zu präsentieren, etwa um Tuche über die Geländer hinab zu rollen.

Die überdachten Handelsplätze unterschieden sich deutlich von den bescheideneren Handwerkshäusern in den Nebenstraßen. Das zeigt eine riesige Formenvielfalt im Innern, etwa mit großen, kleinen, schmalen, tiefen Hallen, mit engen, hohen Treppenhäusern oder breiten Durchfahrten.

Die früheren Eigentümer orientierten sich an herrschaftlicher Architektur. Damit vertraute Baumeister wie Conrad Pflüger, der an der Meißner Albrechtsburg mitwirkte, kamen nach Görlitz. Neue Techniken hielten Einzug, etwa zur Konstruktion von Netz- und Schlingrippengewölben.

Äußerlich faszinieren die Patrizierhäuser mit prächtigen Eingangsportalen und reich verzierten Fassaden. Besonders eindrucksvoll zu sehen ist das am Biblischen Haus in der Neißstraße mit Szenen aus dem Alten und Neuen Testament. Neben Säulen und Pilaster gehören oft florale Ornamente zum Fassadenschmuck, etwa Kreuzblüten oder Akanthusranken. In Sitznischenportalen lassen sich allegorische Figuren und vorwiegend aus dem Christentum stammende Inschriften bewundern.

Die meisten der Görlitzer Hallenhäuser dienen heute noch zum Wohnen. Manches Denkmal steht durchaus für Besucher offen, etwa als Gaststätte, als Ausstellungshaus wie das Schlesische Museum im Schönhof oder als Verwaltungssitz wie das Biblische Haus. In einigen der Denkmale können Gäste Ferienwohnungen oder Hotelzimmer beziehen. Auch bei speziellen Stadtführungen ist es möglich, in die prächtigen Bauten zu gelangen und sich die architektonischen Besonderheiten erläutern zu lassen.

 

Mit Görlitz-Tourist erleben Sie die Hallenhäuser während der Stadtführungen: