Görlitz-Tourist
Dachlandschaft Görlitz mit Reichenbacher Turm

Reichenbacher Turm

Der Reichenbacher Turm

Unter den Wehrtürmen, die heute noch von der Stadtbefestigungsanlage in Görlitz existieren, gilt der Reichenbacher Turm als der schönste. Nicht nur die vielgestaltige Form dürfte für diesen Eindruck sorgen, sondern auch der farbenfrohe Schmuck im unteren Teil. Auf drei Seiten zieren insgesamt zwölf Wappen die mächtigen Mauern.

Reichenbacher TurmDas 49 Meter hohe Bauwerk war 1376 erstmals erwähnt worden. Ursprünglich hieß es Budissiner (Bautzener) Turm und markierte den Haupteingang zur Stadt von Westen. Sein viereckiger Unterbau stammt vermutlich aus dem 14. Jahrhundert. Auf dem achteckigen Wehrgang darüber erhebt sich ein zylinderförmiger Aufbau. Eine barocke Kupferhaube mit Wetterfahne krönt den formschönen Turm am westlichen Ende des Obermarktes.

Mit der gegenüber liegenden Kanonenbastion, dem Kaisertrutz war der Reichenbacher Turm bis 1848 durch zwei hohe Schildmauern verbunden. Zahlreiche Schäden machten 1935 seine umfassende Restaurierung notwendig. Um für Stabilität zu sorgen, wurden im unteren Teil des früheren Wachturmes Stahlanker eingezogen. Sie verbergen sich unter den Wappenschilden, die der Görlitzer Maler Arno Henschel als Auftragswerk anfertigte.

In der oberen Reihe sind die Wappen der Länder zu erkennen, zu denen Görlitz im Laufe seiner Geschichte gehört hat. Es sind auf der Seite zum Kaisertrutz die von Schlesien und Böhmen, auf der Südseite die von Brandenburg und Preußen sowie auf der Seite zum Obermarkt die Wappen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und von Sachsen.

Die unteren sechs Schilde zeigen die Wappen der Mitglieder des Oberlausitzer Sechsstädtebundes. Auf der Seite gegenüber dem Kaisertrutz beginnend und nach links umlaufend, symbolisieren sie Kamenz, Löbau, Görlitz, Bautzen, Zittau und Lauban (heute Luban in Polen).

1946 durften erstmals Besucher den Turm besteigen. Seit 1953 ist er Teil des Kulturhistorischen Museums, zu dem auch der Kaisertrutz und das Barockhaus Neißstraße 30 gehören. Die Ausstellung im Turm verteilt sich auf sieben Etagen. Sie befasst sich mit der Geschichte der Görlitzer Stadtbefestigung und Stadtverteidigung, der Schützengesellschaft sowie dem Leben der Görlitzer Türmer und ihrer Familien.

Ganz oben lässt sich ein Eindruck gewinnen, wie es in der Türmerstube früher ausgesehen haben mag. Bis 1904 war sie bewohnt. Die Wächter hoch über den Dächern der Stadt hielten einst Feuerwache und läuteten stündlich die Glocke. 165 Stufen führen auf den Aussichtsturm, von dem aus sich ein herrlicher Ausblick auf die Stadt und deren Umgebung bietet. Bei gutem Wetter reicht die Sicht bis weit zu den Ausläufern des Riesen- und Isergebirges.
 

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