Görlitz-Tourist
Alljährlicher Tippelmarkt auf dem Obermarkt

Obermarkt

Der Obermarkt

Der Obermarkt zählt zu den großen zentralen Plätzen in Görlitz. Er bildet das städtebauliche Zentrums des Gebietes, das um die Mitte des 13. Jahrhunderts entstand. Entlang des langgestreckten Platzes verlief die alte Handelsstraße via regia, die Ost- und Westeuropa miteinander verband. Vom Reichenbacher Turm dehnt sich der Obermarkt bis zur Einmündung der Fleischerstraße aus. Den Übergang in die Brüderstraße, die weiter bis zum Untermarkt führt, markiert der Rolandbrunnen. Er war 1590 am Ostende des weiten Platzes aufgestellt worden.

Die Säule in der Mitte des Wasserbeckens trägt eine symbolträchtige Skulptur aus Sandstein. Ganz oben thront ein Herold. Den Wimpel seiner Lanze ziert das Stadtwappen von Görlitz. In der linken Hand hält er ein Schild mit kursächsischem Wappen, während der böhmische Löwe im Hintergrund die Zunge herausstreckt. Was Passanten heute sehen, ist nur eine Kopie des nackten Kriegers. Das Original mit dem phantasievollen Kopfschmuck befindet sich in der Obhut der Städtischen Sammlungen.

In Höhe des Brunnens gelang man durch einen Durchgang zum benachbarten Klosterplatz. Der „Schwibbogen“ verbindet die Dreifaltigkeitskirche mit dem Eckhaus an der Brüderstraße. Bei der Sanierung des Gebäudes war 2010 genau über dem Durchgang eine kunsthistorische Sensation entdeckt. Unter mehreren Farbschichten legten Restauratoren eine Wandmalerei mit einem Motiv aus der Werkstatt von Lukas Cranach d. Ä. (1472 – 1553) frei. Das meisterhafte Bild mit Darstellungen aus dem Alten und Neuen Testament war vermutlich zwischen 1540 und 1550 entstanden.

Der prächtig ausgemalte Raum könnte einst als private Kapelle oder Andachtsraum gedient haben. Die Anordnung der Szenen wie Sündenfall, Hölle oder Kreuzigung ließen darauf schließen, dass Cranachs häufig verwendetes Thema „Gesetz und Evangelium“ als Vorlage gedient hatte. Inzwischen ist in dem Haus ein Hotel eingerichtet. Gästen steht der Raum mit der Wandmalerei zum Frühstück offen.

Die Bebauung des Obermarktes ist eine Mischung aus Barockhäusern und Bauten des mittleren bis späten 19. Jahrhunderts. Gegenüber der Dreifaltigkeitskirche fällt ein weiß-orangefarbenes Gebäude mit geschwungenem Balkon ins Auge. Die reich geschmückte Vorderfront scheint die schönste barocke Fassade in Görlitz zu sein. 1718 für den Berliner Textilhändler Wilhelm Schaumburg errichtet, ist der Bau heute eher als Napoleonhaus bekannt. Es heißt, der französische Kaiser habe mehrfach darin logiert und am 20. August 1813 vom Balkon aus zu seinen Truppen gesprochen. Eine Tafel am Haus weist auf die historische Episode hin.

Auf der gleichen Seite des Platzes sticht in Weiß eine andere Perle der Architektur aus der Häuserreihe hervor. Das Gebäude mit der Nummer 22 stammt aus der Zeit um 1840. Seine hohe, siebenachsige klassizistische Fassade ist ein schönes Beispiel Berliner Prägung. Heute hat die Görlitzer Staatsanwaltschaft in dem prächtigen Haus ihren Sitz.

Im Hinterhof des einstigen Hotels „Weißes Roß“ am Obermarkt 17 errichtete die jüdische Gemeinde ab 1847 eine Synagoge. Dazu baute sie ein Gebäude um, das zuvor als Gesellschaftstheater genutzt wurde. 1853 stand das neue Gotteshaus zur Verfügung. Der Eingang dafür lag an der Langenstraße 23, die parallel zum Obermarkt verläuft. Als das Bethaus nach der Jahrhundertwende für die gewachsene Gemeinde zu klein geworden war, ließ sie eine neue Synagoge am Stadtpark erbauen. Die alte Synagoge ist heute in Privateigentum und wird gerade für ein Literaturhaus saniert.

An der Südseite des Obermarktes standen einer Häuser mit teilweise reich geschmückten Giebeln. Sie wurden im 19. Jahrhundert durch neue Wohn- und Geschäftshäuser ersetzt. Ein Blick lohnt sich in das um 1890 erbaute Eckhaus mit der Nummer 7. Darin gibt es Geschäftsräume in zwei Geschossen, die ein prachtvoller Treppenaufgang verbindet.

In der westlichen Hälfte des Platzes stand früher ein Salzhaus. Die Stadt hatte im 14. Jahrhundert das königlich verbriefte Recht erhalten, mit Salz zu handeln. Das Geschäft mit dieser Ware brachte den Görlitzer Patriziern hohe Gewinne. Der Bau auf dem Obermarkt diente als Lager. Im Laufe der Jahre wurde es mehrfach umgebaut, zuletzt 1767. 1851 fiel es schließlich dem Abriss zum Opfer.

An der gleichen Stelle wurde 1893 ein Denkmal für Kaiser Wilhelm I. aufgestellt. Das Reiterstandbild thronte auf hohem Sockel. Da der Standort als ungünstig angesehen wurde, zog das Denkmal 1939 auf den Wilhelmsplatz um. Dort stand es nur kurze Zeit, bis es eingeschmolzen wurde.

Heute dient der Obermarkt in der Regel als Parkplatz. Für Feste wird er zeitweise freigeräumt, etwa Anfang Juli, wenn Künstler den Platz während des Internationalen Straßentheaterfestivals „ViaThea“ in eine Bühne verwandeln. Während des Altstadtfestes Ende August ragt ein großes Riesenrad auf dem Obermarkt in die Höhe, eingerahmt von Imbissbuden, Händlerständen und Schaustellern.

In den vergangenen Jahren war der Obermarkt immer am dritten Juli-Wochenende auch Kulisse für den Schlesischen Tippelmarkt. Ab 2017 werden sich Töpfer aus ganz Deutschland wieder auf dem Untermarkt versammeln.

 

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