Görlitz-Tourist
Altstadtbrücke mit Peterskirche

Altstadtbrücke

Die Altstadtbrücke

Die Altstadtbrücke ist aus dem Görlitzer Stadtbild einfach nicht mehr wegzudenken. Kaum vorstellbar, dass bis 2004 alle Wege durch den historischen Kern an der Neiße endeten. Der Fluss markiert seit 1945 die Grenze zu Polen. Unmittelbar vor Ende des Zweiten Weltkrieges hatten zurückweichende deutsche Truppen alle Verbindungen über das Wasser zerstört, darunter auch den ältesten Übergang am Fuße der mächtigen Peterskirche. Rund 58 Jahre später begann der Wiederaufbau der symbolträchtigen Brücke. Im Oktober 2004 wurde das neue Bauwerk an der städtebaulichen Hauptachse für Fußgänger und Radfahrer übergeben.

Unterhalb des Felsens, auf dem die Peterskirche thront, entstand wohl spätestens um die Mitte des 13. Jahrhunderts ein Übergang über die Neiße. 1376 wurde die Brücke erstmals schriftlich erwähnt. Auf der ältesten Görlitzer Stadtansicht von 1565 ist eine überdachte Querung des Flusses zu sehen: die erste bildliche Darstellung der Verbindung. An der Stelle führte die von Westen kommende Handelsstraße Via Regia weiter in den Osten.

Die sogenannte Hohe Straße trug zum wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt bei, als eine von zwei wichtigen Handelswegen, die sich in Görlitz kreuzten. Der eine führte vom böhmischen Herrschaftszentrum in Prag bis an die Ostsee. Die andere, die Via Regia, erreichte am Reichenbacher Tor die Stadtgrenze und verlief entlang des Obermarktes durch die Brüderstraße über den Untermarkt zur Neißebrücke.

Die Konstruktion hatte über die Jahrhunderte hinweg immer wieder Schaden genommen, zuletzt durch ein Hochwasser 1897. Danach wurde die Holzbrücke 1906/1907 durch eine Eisenfachwerkbrücke ersetzt, die dekorative steinerne Eckpfosten schmückten. Die massive Bogenkonstruktion geriet jedoch auch in die Kritik, weil sie die Sicht auf die Peterskirche verdeckte. 1945 fiel sie der Sprengung zum Opfer, wie alle anderen sechs Brücken, die sich bis dahin in Görlitz über die Neiße spannten.

Lange Zeit war der Grenzübergang an der Stadthalle der einzige Weg, auf dem Fußgänger, Radler und Autofahrer in Görlitz den Fluss überqueren konnten. Nach der politischen Wende begann die Diskussion um den Wiederaufbau der ältesten Verbindung. Verschiedene Gestaltungsvarianten standen zur Auswahl. Der Görlitzer Stadtrat entschied sich schließlich für eine moderne, filigrane Stahlkonstruktion.

Das 82 Meter lange und etwa 10 Meter breite Bauwerk kostete 3,1 Millionen Euro. Den polnischen Anteil in Höhe von 50 Prozent trug der Freistaat Sachsen. Der deutsche Anteil wurde zu 75 Prozent aus Mitteln der Europäischen Union finanziert. Rund 387 000 Euro bezahlte die Stadt Görlitz.

Sowohl am östlichen als auch am westlichen Ufer können Gäste in Gaststätten direkt neben der Altstadtbrücke einkehren. Auf deutscher Seite ist es die Vierradenmühle, die ursprünglich als Getreidemühle diente und nach der Anzahl ihrer Wasserräder benannt wurde – ebenso wie die Dreiradenmühle in der polnischen Nachbarstadt Zgorzelec.

Die wiederaufgebaute Brücke sorgte auch für eine spürbare Belebung der Altstadt. Touristen und Einheimische nutzen den neuen alten Weg gern für einen Spaziergang ans andere Flussufer. In Verlängerung der Brücke auf polnischer Seite, am früheren Töpferberg,steht eine Kopie der alten sächsischen Postsäule von 1723. Das Areal dahinter wurde neu bebaut. Unweit davon befindet sich das frühere Wohnhaus von Jakob Böhme (1575 - 1624). Darin ist ein kleines Museum in Erinnerung an den berühmten Philosophen eingerichtet, der dort von 1590 bis 1610 als Schuhmacher lebte.

 

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