Görlitz-Tourist
Schönhof - Brüderstraße

Schönhof

Der Schönhof

Der 1526 erbaute Schönhof in Görlitz gilt als das älteste Renaissancebürgerhaus Deutschlands. Unter Regie von Stadtbaumeister Wendel Roskopf d. Ä. entstand der herrschaftliche Patrizierbau nach dem Stadtbrand 1525 im Stil der Frührenaissance. Beim Wiederaufbau wurden drei ältere Gebäude vereint. Der Schönhof war fürstliches Gästehaus, unter anderem 1408 für König Wenzel IV. von Böhmen und 1621 für Kurfürst Johann Georg von Sachsen.

Das prächtige Hallenhaus gegenüber dem Görlitzer Rathaus ist seit 1909 in städtischem Besitz. Bis 1977 wurde das Gebäude als Jugendherberge genutzt. Danach stand es lange Zeit leer. Ende der 1980er Jahre begannen erste Sanierungsarbeiten. 1991 beschloss Görlitz, den Schönhof für das künftige Schlesische Museum zur Verfügung zu stellen. Einen wesentlichen Ausschlag dafür gab die Entscheidung des Bundes, die Einrichtung an der Grenze zu Polen als zentrale museale Einrichtung für Schlesien bevorzugt zu fördern.

Die reiche Fassadendekoration des Schönhofes bestimmen schmale Pilaster und Gesimse. Markant sind vor allem der zweigeschossige Eckerker und das grazile Türmchen auf dem Dach. Wie der zum Untermarkt zugewandte Giebel war es 1716 jedoch beseitigt worden. Im Zuge der Sanierung wurden bis 1995 Dach, Erker, Türmchen und die Fassade zur Brüderstraße wieder hergestellt sowie Decken statisch gesichert.

Die aufwändige Rekonstruktion des Denkmals ließ die Raumgestalt des 16. und 17. Jahrhunderts mit geräumigen Dielen, Festsälen und privaten Gemächern wiedererstehen. In zwölf Räumen haben sich Wandmalereien und Holzbalkendecken aus der frühen Neuzeit erhalten. Erkennbar sind Farbfassungen aus der Renaissance und des Barock, gemalte Friese unter den Decken und illusionistische Architekturmalerei an einigen Türöffnungen.

Die 2006 eröffnete Dauerausstellung im Schönhof fügt sich in Respekt vor der alten Bausubstanz ein. Das Licht in historischen Räumen kommt aus Vitrinen und Präsentationswänden, Teilweise stehen diese nur ringsum an den Wänden, damit der Blick in der Mitte frei nach oben schweifen kann.

Die Präsentation auf rund 2000 Quadratmetern beleuchtet Geschichte und Kultur Schlesiens vom späten 12. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Der Rundgang führt chronologisch durch neun Jahrhunderte vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Texte in deutscher und polnischer Sprache begleiten die Besucher durch das Haus. Träger des Museums ist eine 1996 gegründete Stiftung, in der die Stadt Görlitz, der Freistaat Sachsen, der Bund und die Landsmannschaft Schlesien vertreten sind.

Das Museum will den Besuchern eine Landschaft nahe bringen, die über Jahrhunderte von Deutschen geprägt wurde, seit 1945 jedoch zu großen Teilen auf polnischem Territorium liegt. Flucht und Vertreibung hatten am Ende des Zweiten Weltkrieges eine entscheidende Zäsur in der Geschichte gesetzt. Diese Thema ist eine Facette in der Darstellung der wechselvollen politischen Verhältnisse in Schlesien.

Daneben bietet die Ausstellung einen Überblick über die vielfältige Kulturgeschichte des Landstriches. Gezeigt werden Goldschmiedearbeiten aus Breslau, Prunkglas aus den Hütten des Riesengebirges, Fayencen aus Proskau, Eisenguss aus der Gleiwitzer Hütte, Keramik aus Bunzlau und Porzellan aus dem Waldenburger Land.

Neben der spätromantischen Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts ist in der Ausstellung vor allem die Klassische Moderne vertreten. Zu sehen sind Arbeiten von Künstlern aus dem Umkreis der Breslauer Akademie, darunter Otto Mueller, Oskar Moll und Johannes Molzahn.

 

Mit Görlitz-Tourist sehen Sie den Schönhof während der Stadtführungen: