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Das Theater in Görlitz

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Das Theater in Görlitz

Die Bürger von Görlitz hatten sich 1820 in einem Haus auf der Neißstraße 26 einen Theatersaal eingerichtet, der 1847 jedoch aus Sicherheitsgründen geschlossen wurde. Zu dieser Zeit waren das Frauentor als Teil der mittelalterlichen Befestigungsanlage gefallen, die westliche Stadtmauer abgerissen und die Gräben davor verfüllt. Das freie Terrain am früheren Rademarkt bot sich als Baugrund für einen neuen Musentempel an. Der Platz, auf dem er entstand, war erst 1846 nach dem ersten Oberbürgermeister Gottlob Ludwig Demiani benannt worden. Der Bau begann schließlich im April 1850.

Mit „Don Carlos“ von Friedrich Schiller wurde das neue Theater am 2. Oktober 1851 feierlich eröffnet. „Die innere Einrichtung des Gebäudes, die doppelte Logenreihe in schwunghaftem Bogen, die rote und weiße Dekorierung des Zuschauerraumes, der höchst elegante Kronleuchter und der prächtige originelle Vorhang gewähren … einen für das Auge höchst befriedigenden Eindruck“, lobte die Presse.

Zwei Wochen später kam mit Lortzings „Waffenschmied“ die erste Musiktheaterproduktion in Görlitz auf die Bühne. Zunächst stellte die Stadt Görlitz das Gebäude gegen geringe Pacht zur Verfügung. Theaterleiter betrieben das Haus in eigener Regie. Nachdem sich 1853 der damalige Direktor wegen Misswirtschaft nach Breslau abgesetzt hatte, hielten Schauspieler den Theaterbetrieb aufrecht.

Mit Ausbruch des ersten Weltkrieges wurden sämtliche Solisten, Choristen und Musiker 1914 zum Militär einberufen. Die Inflation hatte zur Folge, dass sich die Stadt vom Pachtsystem verabschiedete. Bis dahin nur Bauherr und Besitzer der Immobilie, übernahm sie 1923 auch das Ensemble.

In der Zeit des Nationalsozialismus durften kritische Stücke nicht gespielt werden. Bis zur Schließung im Juni 1944 war das Haus trotz des eingeschränkten Repertoire gut besetzt. 1943/44 war eine besonders spielintensive Saison. An 324 Spieltagen wurden insgesamt 419 Vorstellungen gegeben, 19 davon außerhalb von Görlitz.

Am 10. Juni 1945 öffnete das Görlitzer Theater wieder, als erstes deutsches Theater nach dem Zweiten Weltkrieg überhaupt. Als eines der wenigen Bühnen im Land war es unzerstört geblieben. Zuschauer und Ensemble mussten allerdings widrige Bedingungen in Kauf nehmen: das Haus war im Winter ungeheizt. Auf mehr als 20 Premieren brachte es das Theater immerhin in der Nachkriegszeit.

1946 wurde die Bühne in der Neißestadt nach dem Literaturnobelpreisträger Gerhart Hauptmann benannt. Der Dichter hatte eine enge Verbindung zu Görlitz. Zu den Schlesischen Musikfesten kam er aus seinem Haus Wiesenstein in Agnetendorf an die Neiße. Zum 80. Geburtstag des Dichters 1942 hatte sein Stück „Iphigenie in Delphi“ in Görlitz Premiere.

Als das Theater 1963 mit der Bühne in Zittau zusammengelegt wurde, trugen fortan beide Häuser Hauptmanns Namen. Nachdem die Fusion 1988 zerbrochen war, hieß nur das Zittauer Theater weiter nach dem Dichter. Seit 2010 sind beide Standorte wieder vereint: unter dem Dach der Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau GmbH.

Das Görlitzer Theater hat in seiner Geschichte zahlreiche Umbauten erlebt. 1911 etwa wurde an der westlichen Fassade die heutige Kassenhalle angebaut. Der folgenreichste Umbau geschah zwischen 1925 und 1927, als unter anderem der Zuschauerraum vergrößert und die Wandelgänge angebaut wurden. Die Zahl der Sitzplätze stieg um 225 auf mehr als 850.

In den 1990-er Jahren begann eine umfangreiche Sanierung des Theaters - mit Millionenaufwand. Der Zuschauerraum wurde dabei im Zustand von 1873 wiederhergestellt. Die historische Bemalung im Saal war im Laufe der Zeit unter Verkleidungen und grauen Farbschichten verschwunden. Malereien an den Rangbrüstungen wurden ebenso rekonstruiert wie die noch erhaltene Verzierung am Bühnenportal.

Da sich das Vorhaben im Saal durch ungeahnte Probleme hinzog, musste das Theater sein 150. Jubiläum 2001 notgedrungen auf einer gedrehten Bühne feiern. Mit diesem Provisorium konnte das Haus allerdings auch während der Bauarbeiten bespielet werden. Bei den Vorstellungen nahm das Publikum auf der Hinterbühne Platz. Schauspieler und Sänger traten vor dem Eisernen Vorhang auf - mit einer Drehung um 180 Grad.

Seit der Saal 2002 in rot-goldenen Farben wiedereröffnet worden ist, wird das Görlitzer Theater gern als „Kleine Semperoper“ bezeichnet.

 

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