Görlitz-Tourist
Der Kaisertrutz mit Blumenuhr in Görlitz

Kaisertrutz

Kultur in geschichtsträchtigen Mauern

Das mittelalterliche Görlitz besaß einst 32 Basteien. Der Kaisertrutz war die stärkste von ihnen, immerhin mit einer Außenwandstärke von bis zu 4,50 m. Erbaut 1490 in unmittelbarer Nähe zum westlichen Stadttor, galt er als vorgelagerte Bastion der in doppelten Zügen gebauten Stadtmauer. Die Stadt umgab damals ein tiefer Graben, über den eine Holzbrücke führte. Im Jahr 1590 ersetzte diese eine aus Stein.
Das "große Reichenbacher Rondell" (so genannt nach dem nächstgrößeren Ort in westlicher Richtung), erhielt seinen heutigen Namen im Dreißigjährigen Krieg. Damals, im Jahr 1641, trotzte die von den Schweden besetzte Stadt einer über mehrere Wochen andauernden Belagerung durch sächsische und kaiserliche Truppen.
Der erste Umbau des wehrhaften Gebäudes erfolgte 1848. Nach dem Abbruch der Mauern mit Verbindung zum Reichenbacher Turm und der Stadtmauer erhielt der Kaisertrutz seine Aufgabe als Hauptwache der preußischen Garnison. Zu dieser Zeit verfüllten die Preußen den Stadtgraben und das Untergeschoss des Trutzes. Zum Anbau gehörten zwei flankierende Türmchen und ein Arkadenvorbau.



Reicher Schatz an Kultur- und Zeitgeschichte

Ludwig Feyerabend, Direktor des damaligen Görlitzer Kaiser-Friedrich-Museums, war es, der die Nutzung des Kaisertrutzes als Museumsgebäude vorantrieb. 1932 eröffnete im Kaisertrutz die Abteilung für Stadtgeschichte und Ur- und Frühgeschichte der Oberlausitz auf anfangs zwei Etagen.

Unter den Fundamenten des verfüllten Untergeschosses kam während der von 1998 bis 1999 durchgeführten Beräumung ein mittelalterlicher Holzbrunnen zum Vorschein. Dieser stammt aus dem 13. Jahrhundert.

Die 2009 begonnenen Sanierungs-Arbeiten hatten zum Ziel, das Gebäude für die Öffentlichkeit attraktiver zu gestalten. Die Kosten der Sanierung des nun barrierefrei und behindertengerecht neu gestalteten Kaisertrutzes beliefen sich auf 5,9 Millionen Euro. Besucher profitieren von einem innen liegenden Fahrstuhl. Das jetzt ganzjährig nutzbare Ausstellungs-Gebäude eröffnete 2011 als Veranstaltungsort der dritten sächsischen Landes-Ausstellung "via regia – 800 Jahre Bewegung und Begegnung".

Heute bietet der Kaisertrutz in seinen Räumlichkeiten auf 3 Etagen moderne und ansprechende Ausstellungen zur Kulturgeschichte der Stadt und der östlichen Oberlausitz sowie die Galerie der Moderne. Der Rundgang beginnt im Untergeschoss mit Spuren, die eiszeitliche Jäger vor 14.000 Jahren hinterlassen haben. Bedeutende Exponate aus Stein-, Bronze- und Eisenzeit sowie dem Mittelalter beleuchten die Entwicklung der Region, von den ersten Bauern der Steinzeit und bronze- und früheisenzeitlichen Lausitzer Kulturen über kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Deutschen, Polen und Böhmen um 1000 sowie die Landnahme ab 1150 bis zur Gründung der Stadt Görlitz, die sich 1303 das Magdeburger Stadtrecht bestätigen ließ. Im Erdgeschoss erzählen wertvolle Exponate vom Aufstieg der Stadt zur blühenden Handels- und Gewerbemetropole. Görlitzer Wolltuch fand seit dem Mittelalter europaweit reißenden Absatz. Vom Reichtum der Bürger zeugen bedeutende Kunstschätze, wie z.B. mittelalterliche Altäre und Textilien. Im 16. Jahrhundert war Görlitz Wirkungsstätte bedeutender Humanisten wie Bartholomäus Sculteteus (1540 – 1614) oder Petrus Vincentius (1519 – 1581). Ihr Schaffen wird in der Ausstellung gewürdigt. Der Philosoph Jacob Böhme (1575 – 1624) ist weltweit der bekannteste Görlitzer. 

Ebenfalls Thema der Dauerausstellung ist die Zeit der politischen Wende in der DDR 1989. Die Galerie der Moderne mit einem kostbaren Bestand an Gemälden, Graphiken und Plastiken des 20. und 21. Jahrhunderts ist in der 3. Etage untergebracht. Hochkarätige und thematisch vielseitige Wechselausstellungen komplettieren das Ausstellungskonzept.

Der Kaisertrutz ist Bestandteil der Görlitzer Sammlungen für Geschichte und Kultur, welche ebenfalls den Reichenbacher Turm, das Barockhaus Neißstraße und die Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften umfasst.

 

Mit Görlitz-Tourist sehen Sie den Kaisertrutz während der Stadtführungen: