Görlitz-Tourist
Biblisches Haus - Motiv von EGZ Görlitz

Biblisches Haus

Das Biblische Haus

Das Biblische Haus an der Neißstraße 29 ist zweifellos ein Prunkstück unter den rund 4000 Einzeldenkmälern in Görlitz. Die dreigeschossige Fassade zieren zehn Szenen aus dem Alten und Neuen Testament. Daher rührt auch der Name für das Renaissancebürgerhaus an der früheren Handelsstraße via regia. Der sakrale Schmuck befindet sich in jeweils einem Reliefband über den Fenstern des Erdgeschosses und der ersten Etage.

In der oberen Reihe sind die Verkündigung an Maria, die Geburt Christi, dessen Taufe im Jordan, das letzte Abendmahl sowie die Kreuzigung Christi dargestellt. Die steinernen Bilder darunter zeigen, wie Eva aus einer Rippe Adams erschaffen wird, wie das Paar nach dem Sündenfall aus dem Paradies vertrieben wird, Abraham seinen Sohn Isaak opfert, Moses die Gesetzestafeln erhält und er auf Geheiß Gottes die Eherne Schlange aufrichtet.

Der aus Weimar stammende Waidhändler Hans Heintze ließ sich das repräsentative Haus zwischen 1570 und 1572 erbauen. Das zuvor an der Stelle stehende Gebäude brannte 1525 komplett ab. Der neue Eigentümer beauftragte seinerzeit den Dresdner Bildhauer Hans Kramer, die Fassade mit Reliefs biblischer Szenen zu schmücken.

Sakralen Bezug hat auch eine Inschrift im Gesimsband. Besucher erkennen den Schriftzug "Gott ist mein Helfer, Erlöser und Tröster, auf den verlasse ich mich alleine". Das aus dem Jahr 1570 stammende Zitat erscheint in altdeutscher Schreibweise. Oberhalb des Türbogens steht: "Gott bewahre deinen Ein- und Ausgang zu ewigen Zeiten".

Ein Blickfang an der Vorderfront ist das reich dekorierte Sitznischenportal. Ein Gaffkopf blickt von dem Torbogen auf jeden herab, der das Gebäude betritt. Das Innere offenbart sich als besonders schöne Beispiel eines Hallenhauses, wie sie für Görlitz typisch sind. Von der Zentralhalle führt der Weg durch ein verwinkeltes Treppenhaus nach oben.

Im Laufe der Zeit wurde das Gebäude mehrfach umgebaut. Im 18. Jahrhundert etwa verschwand allmählich die großzügige Raumstruktur der Renaissance. Durch den Einbau von Gewölben und Trennwänden entstanden Mietwohnungen. Bis Ende der 1980-er Jahre war das Gebäude bewohnt.

Die Barmer Ersatzkasse, die ihre Wurzeln in Görlitz hat, rief Anfang der 1990-er Jahre eine Spendenaktion ins Leben. Rund 150 000 Euro kamen dabei zusammen, die für Sicherungsarbeiten am Biblischen Haus sowie für die Instandsetzung des Dachs verwendet wurden. Für die Rettung gründete die Stadt Görlitz als Eigentümerin eine Bauherrengemeinschaft mit der in Ludwigsburg ansässigen Wüstenrot-Stiftung. Diese beteiligte sich allein mit etwa 1,2 Millionen Euro an dem Projekt, das mehr als drei Millionen Euro kostete.

Nach gut dreijähriger Sanierung wurde das Haus 2004 eröffnet. Die Pracht des Hauses zeigt sich in bemalten Holzbalkendecken, prunkvollen Türstöcke aus der Renaissance, stilvoll erneuerten Dielenfußböden, barockem Stuck oder hölzernen Fensterbänken. Heute ist das Gebäude Sitz für die Verwaltung des Kulturhistorischen Museums von Görlitz.

 

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