Görlitz-Tourist
Flüsterbogen auf dem Untermarkt in Görlitz

Flüsterbogen

Der Flüsterbogen in Görlitz

Der Flüsterbogen am Untermarkt 22 ist ein Phänomen, an dem wohl kein Besucher von Görlitz vorbeikommt. Weitaus anziehender als die Verzierungen wirkt die physikalische Besonderheit des spätgotischen Portals. Durch seine Kielbogenarchivolte werden Schallwellen besonders gut weitergeleitet.

Die Konstruktion ermöglicht es, dass zwei sich gut verständlich etwas zuflüstern können. Andere, die in unmittelbarer Nähe stehen, hören dagegen nichts - allenfalls ein Wispern. Der Effekt kommt durch einen Flüsterspiegel zustande. Er bündelt den Schall. Ohne die kielförmige Archivolte würde sich die Wellen der geflüsterten Worte in alle Richtungen verteilen.

Das spätgotische Portal schmücken verschiedene schöne Details, etwa gemeißelte Kreuzblumen am oberen Rand. Sie gelten als christliches Symbol für Leben und Gesundheit. Zu den Verzierungen an der Maskenkonsole gehört ein steinerner Tierkopf, der an einen Löwen erinnert. Auf der rechten Seite des Portals erkennen Betrachter die angedeutete Mähne und die Katzenschnauze. Auf der linken Seite prangt ein weiterer Steinkopf. Obgleich er eine Katzennase aufweist, fehlt ihm die Mähne. Vermutlich handelt es sich um eine Löwin oder eine Dämonenfratze. Die Masken sollen böse Mächte abschrecken.

Der Baubeginn des Portals lag im Jahr 1500. Weitere Anbauten folgten in 1525 und 1726. Welcher Künstler den Flüsterbogen in Görlitz erschuf, ist unbekannt. Jedoch weist das prächtig verzierte Portal auf die hervorragende wirtschaftliche Stellung der Stadt im Spätmittelalter hin. Am unteren Ende des Rundbogens befinden sich zwei große Schlusssteine. Sie tragen den Bogen und eignen sich gleichzeitig als Standfläche, um die akustische Besonderheit auszuprobieren. Ob bei einem geführten Stadtrundgang oder bei der ganz individuellen Erkundung der Görlitzer Altstadt: tatsächlich sieht man dort immer wieder Leute paarweise stehen, die das Phänomen testen.

Das Gebäude mit dem Flüsterbogen reicht bis zur Rosengasse. Durch eine geräumige Halle führt der Weg vom Untermarkt in einen italienisch anmutenden Innenhof. Dort befinden sich ein Restaurant und eine Herberge. Direkt neben dem einzigartigen Portal lädt das Café „Flüsterbogen“ zur Einkehr in gemütlicher Atmosphäre ein.

 

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