Görlitz-Tourist
Annen Gymnasium

Annen - Gymnasium

Das zweite zum „Augustum-Annen-Gymnasium“ gehörende Gebäude blickt gleichsam auf eine berichtenswerte und in Verbindung mit seiner Entstehung durchaus erstaunliche Geschichte zurück.

Dass dem Dicken Turm, einem der drei erhaltenen Wehrtürme der Stadt, gegenüberliegende Bauwerk gleicht in seiner äußeren Gestalt einem Kirchenschiff. Tatsächlich handelt es sich um einen mittelalterlichen Kirchenbau aus dem frühen 16. Jahrhundert, um den sich einer der vielen Berichte der Görlitzer Stadtgeschichte rankt.

Der aus armen Verhältnissen stammende Bürger Hans Frenzel erwirtschaftete durch sein Geschick im Handel ein beachtliches Vermögen. Leider blieb ihm jedoch über einen längeren Zeitraum ein männlicher Nachkomme versagt. Der Familienchronik ist zu entnehmen, dass er gelobte, der Namenspatronin seiner Frau, der Heiligen Anna, eine Kapelle zu errichten um die Ernsthaftigkeit seines Wunsches zu bekräftigen.

Auf diese Weise entstand der in Deutschland äußerst seltene Fall einer spätgotischen bürgerlichen Eigenkirche, ein Privileg, das für Hans Frenzel mit der Überwindung einer Vielzahl rechtlicher Hindernisse und einer respektablen Investition in Höhe von 8500 Gulden verbunden war.

Pfingsten im Jahre 1512 war es soweit: Die Kirche des Bürgers Frenzel, auch „Der Reiche“ genannt, konnte nach gut dreijähriger Bauzeit geweiht werden. Mit einer Ausstattung von drei Altären, der Empore mit Maßwerkbrüstung, einer Orgel sowie einem Türmchen mit zwei Glocken konnte sie durchaus als Herrschaftskapelle bezeichnet werden. Bis zu sieben Priester versahen ihr Amt an diesem Ort. Bemerkenswert ist auch die räumliche Ausdehnung: 32 Meter Länge, 13 Meter Breite sowie 17 Meter Höhe.

Wenige Jahre nach dem Einzug der Reformation in Görlitz und dem Tod von Hans Frenzel übergab sein Sohn Joachim, der ihm und seiner Frau letztendlich geschenkt wurde, 1531 die Kirche der Stadt, da sie in ihrer ursprünglichen Funktion keine Verwendung mehr fand. Unterschiedliche Nutzungen schlossen sich an,  u.a. als Tagungsort des „Kleinen Priesterkollegiums“, später als anstaltseigener Kirchraum des Armen-, Zucht- und Waisenhauses. Letzteres fügte sich als westlicher Anbau  der Kirche an. Das Interieur erhielt teilweise in anderen Gebäuden einen neuen Platz und fiel später auch Bränden und  Zerstörungen zum Opfer.

Nachdem das Gebäude 1865 wiederum in den städtischen Besitz gelangte, folgten grundlegende Neuausrichtungen und bauliche Umstrukturierungen. Das benachbarte Waisenhaus wurde 1900 durch einen sich ausgesprochen harmonisch anfügenden Schulneubau für die Mädchen-Mittelschule  ersetzt. Im Zuge einer horizontalen Teilung des Kapellenraumes entstand im Erdgeschoss  eine Turnhalle. Der obere aufgrund der alten Maßwerkfenster lichterfüllte Raum, diente fortan als Aula. Vom früheren Kirchenbau sind das Netzgewölbe sowie die sechs Schlusssteine mit den Symbolen der vier Evangelisten, einem Monogramm des Bauherrn sowie den Initialen des Baumeisters, Albrecht Stieglitzer, erhalten.

Ein spätgotischer Statuenzyklus zwischen den Maßwerkfenstern prägt die Außenfassade des Gebäudes.

Mit ihrer außergewöhnlichen Geschichte und ihrem besonderen Innenraum hat die Annenkapelle heute über die schuleigene Nutzung hinaus ihre Bestimmung als Aufführungsort für öffentliche Konzerte im kleineren Rahmen gefunden. Ausstellungen verschiedener Institutionen ermöglichen immer wieder den Zugang für Touristen und die Görlitzer selbst.

 

Mit Görlitz-Tourist sehen Sie das Gymnasium im Rahmen der Stadtführungen: