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Gymnasium Augustum

Gymnasium Augustum

Das Gymnasium Augustum in Görlitz

Das auf dem Klosterplatz gelegene markante Gebäude ist eines von zwei Schulgebäuden des „Augustum-Annen-Gymnasiums“, das eine bemerkenswerte Geschichte vorzuweisen hat.

Die Nähe des „Augustum“ in unmittelbarer Angrenzung an die dem Obermarkt zugewandte Dreifaltigkeitskirche sowie seine äußere Erscheinung lässt eine direkte Verbindung in zurückliegende Jahrhunderte vermuten. Historische Stadtansichten zeigen den sich an dieser Stelle einst anschließenden Komplex eines Franziskanerklosters, das im 13. Jahrhundert fertiggestellt und geweiht wurde. Nachdem der letzte Franziskanermönch, Urban Weißbach, im Zuge der Reformation das Kloster der Stadt übergeben hatte, fand die evangelische Lateinschule an diesem Ort ihre neue Wirkungsstätte. Die Bedeutung, die dieser Lehranstalt von Beginn an und über Görlitz hinaus zugedacht war, kann daran abgelesen werden, dass mit dem ersten Rektorat kein Geringerer als Peter Vincent, Freund Philipp Melanchthons und zuvor Rektor an der Universität Wittenberg, betraut wurde. Sie galt als Ausbildungsstätte für besonders begabte Schüler zur Vorbereitung auf das Studium. Bereits 15 Jahre nach dem Umzug der Schule auf den Klosterplatz erhielten über 600 Jungen dort ihre Schulbildung. Es ist davon auszugehen, dass der Name „Augustum“ seit Mitte des 17. Jahrhunderts gebräuchlich ist. Ende des 18. Jahrhundert erarbeitete sich die Schule einen Ruf als Zentrum der Wissenschaftspflege in der Oberlausitz. In den Folgejahren gewannen die Ideen des Neuhumanismus an Gewicht, ebenso das künstlerische Profil. Die erste Abiturprüfung wurde im Jahre 1816 abgelegt.

Zu den Schülern, die wohl jeden Winkel im alten Kloster kannten, gehörten u.a. der Wissenschaftler und Bürgermeister Bartholomäus Scultutus (16./17. Jhd.), der spätere Leipziger Gewandhauskapellmeister Johann Adam Hiller (18. Jhd.) sowie Oberbürgermeister Gottlob Ludwig Demiani, der Görlitz städtebaulich nachhaltig prägte (18./19. Jhd.).

Der heutige neogotische Neubau anstelle der alten und zunehmend vom Verfall gezeichneten Klostergebäude geht auf das Jahr 1856 zurück. Der mittig gelegene Gebäudeabschnitt, gleichzeitig Haupteingang, schafft durch die Gestaltung des Portals sowie die sich anschließenden Fenster mit Spitzbogen und Maßwerk eine gedankliche Brücke zur Vergangenheit des Ortes als Kirchenraum. In dem achteckigen Turmbau, der sich seitlich des Hauptgebäudes erhebt, wurde schon bald eine Schulsternwarte eingerichtet. Sie erweiterte das Gymnasium mit dem Zweig der Astronomie bis zum Wechsel in einen größeren Neubau im Jahre 1971 um einen weiteren Ausbildungsschwerpunkt.

Die politischen Auseinandersetzungen und Veränderungen des 20. Jahrhunderts gingen auch am Haus „Augustum“ nicht spurlos vorüber und zogen Gebäude, Schulbetrieb und geistige Ausrichtung in Mitleidenschaft. Und so war es durchaus nicht nur ein Schuljubiläum, das im Jahre 2015 unter dem Thema „450 Jahre höhere Schulbildung in Görlitz“ begangen wurde. Vielbeachtete Schülerprojekte, die der schöpferischen Prägung dieser Schule entstanden, mündeten in eine ideenreiche Festwoche und ermöglichten eine spannende Verknüpfung wegweisender Aspekte einer schon bald ein halbes Jahrhundert währenden Bildungsgeschichte.

 

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